Abbildung 1: Darstellung des Wasserstoff-Sauerstoff-Versuchskraftwerk zusammen mit dem angestrebten Kreislauf
Der anschließende Workshop InnoFundCanvas mit Michael Pahl half den Netzwerkpartnern, ihre eigenen Innovationsvorhaben strukturiert zu durchdenken, bevor sie diese dann mit externen Partnern besprechen konnten.
Chancen für den Nordwesten: Politik setzt Impulse
Am Nachmittag öffnete sich das Treffen für externe Gäste aus Politik, Wirtschaft und Forschung. Den Startpunkt setzte MdL Katharina Jensen (CDU) mit einem Impulsvortrag zur Energiewende im Nordwesten. Jensen beleuchtete die strategischen Chancen der Energiewende für die Region und adressierte dabei eine zentrale Frage: Wie entsteht aus dem Energiewandel tatsächlich regionale Wertschöpfung? Sie machte deutlich, dass der Nordwesten, mit Wilhelmshaven, dem JadeWeserPort und seiner Nähe zu Offshore-Windenergie, eine Schlüsselposition hat. Doch diese Vorteile sind nur dann Vorteile, wenn die Infrastrukturen, Fachkräfte und Geschäftsmodelle zusammenpassen. Dabei sprach Jensen auch die Rolle von Kommunen und Landwirtschaft an: Der Markthochlauf von Wasserstoff funktioniert nicht ohne lokale Akzeptanz und die wirtschaftliche Beteiligung von Partnern, die auf regionaler Ebene entscheiden.
Das NextHylo-Netzwerk im Fokus
Julia Schreier von der ignite Group stellte das ZIM-Innovationsnetzwerk NextHylo vor. Das Netzwerk verbindet Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die physische Wasserstoff-Infrastruktur mit digitalen Diensten verknüpfen wollen. Im Zentrum stehen die Schnittstellen, jene Punkte, an denen fehlende Standards, isolierte Lösungen und unverbundene Daten den Markthochlauf bremsen. NextHylo adressiert genau diese Engpässe: Wie wird Wasserstoff erzeugt, gespeichert, transportiert und nachgewiesen? Wie entstehen zuverlässige Daten über Herkunft, Menge und Qualität? Wie ermöglichen digitale Systeme, dass Lieferverträge funktionieren? Die Kernthemen des Netzwerks sind dabei digitale Zwillinge & Simulationen, Auditierbare Trust-Services, Plattform-Services & Geschäftsmodelle, Intelligente Sensorik & IoT-Integration, Prozessautomatisierung & Workflows sowie föderierte Datenräume.
Datenräume: Schnittstelle zwischen Transparenz und Vertrauen
Udo Corleis von neusta aerospace GmbH gab einen Impulsvortrag zu föderierten Datenräumen, einer potentiellen und zentralen Infrastruktur für den Wasserstoffmarkt. Ein Erzeuger, ein Netzbetreiber, ein Logistik-Partner und ein Abnehmer arbeiten heute oft mit Daten, die nicht zueinander passen. Jeder dokumentiert korrekt, doch die Information fließt nicht über die Kettenpartner hinweg. Föderierte Datenräume könnten dieses Problem lösen, indem sie Transparenz schaffen, ohne Betriebsgeheimnisse preiszugeben, eine technische Lösung für ein wirtschaftliches Problem.
Drei Sessions für die Praxis – Barcamp
Der Kern des Treffens: eine Stunde Barcamp im interaktiven Format. Keine Frontalbeschallung, keine passiven Zuschauerinnen und Zuhörer, stattdessen Akteure, die ihre eigenen Herausforderungen einbrachten und gemeinsam an Lösungen arbeiteten.
Session 1: Warum nur Wasserstoff? Wasserstoff, Sauerstoff und Wasser!
Die Session wurde von Kristian Roßberg (LTH2Power) moderiert und eins wurde klar: Ein zukunftsfähiges Wasserstoff-System kann nicht isoliert gedacht werden. Wasserstoff ist kein Selbstzweck, er entsteht durch Elektrolyse von Wasser, welches sich dabei in Wasserstoff und Sauerstoff spaltet. Beide Produkte brauchen Abnehmer. Die Abwärme und die entstehenden Produkte lassen sich in Kreislaufprozesse überführen. Ein Beispiel aus der Praxis: Das Wasserstoff-Sauerstoff-Kraftwerk der Jade Hochschule Wilhelmshaven. Dieses Projekt zeigt: Kreislaufwirtschaft in der Wasserstofftechnologie ist nicht nur Theorie, sondern Realität im laufenden Betrieb.
Session 2: Potenziale des Wasserstoffmarkts strategisch nutzen – welches Know-how Unternehmen jetzt brauchen
Dr. Claudia Bardachzi vom Center für lebenslanges Lernen der Universität Oldenburg adressierte eine zentrale Frage: Was müssen Unternehmen konkret wissen und können, um im Wasserstoffmarkt erfolgreich zu sein? Der Markthochlauf verlangt nicht allein technische Pioniere, sondern auch Vermittler, Berater und Organisatoren. Unternehmen brauchen:
- Technisches Grundwissen zur gesamten Logistikkette: Wie transportiert man Wasserstoff? Welche Sicherheitsstandards gelten?
- Kostenkalkulationen und Geschäftsmodelle, die funktionieren
- Vermittlung zwischen Erzeugern und Nutzern, oft eine Aufgabe für Wirtschaftsförderungsagenturen und spezialisierte Dienstleister
Die Botschaft war klar: Infrastruktur entsteht nicht nur durch Technik und Kapital, sondern durch spezialisierte Fachleute, die Lücken schließen und Akteure zusammenbringen.
Session 3: Souveräner Datenraum – Vom Onboarding bis zur sicheren Servicenutzung
Udo Corleis von neusta aerospace GmbH führte durch die dritte Barcamp-Session. Die zentrale Erkenntnis des Tages: Technisch funktionieren föderierte Datenräume heute. Die echte Hürde liegt woanders: im Vertrauen. Viele Unternehmen teilen ihre Daten ungern, weil sie Datensicherheit, Missbrauch oder Wettbewerbsnachteile fürchten. Diese Vorbehalte sind berechtigt, lassen sich aber adressieren:
- Aufklärung über tatsächliche Sicherheitsstandards
- Transparente Governance-Strukturen mit klaren Rechten und Pflichten
- Nachvollziehbare Sicherheitskonzepte und Verträge mit konkreten Konsequenzen
Ein souveräner Datenraum ist nicht primär ein technisches System, es ist ein Vertrauen schaffender Rahmen, der Datensicherheit und wirtschaftliche Chancen in Einklang bringt.
Von Impulsen zu konkreten Erkenntnissen
Das Barcamp folgte einem klaren Ansatz: Nicht einfach Positionen austauschen, sondern konkrete Probleme präzisieren und handfeste Anknüpfungspunkte für Kooperationen erkennen. Das funktioniert nur, wenn die richtigen Akteure in einem Raum sind, und genau das war der Fall. Die Diskussionen zeigten: Die Teilnehmenden teilen ein gemeinsames Verständnis für die zentralen Engpässe. Ein zukunftsfähiger Wasserstoffmarkt braucht nicht nur Erzeugung und physische Infrastruktur, sondern auch strategisches Know-how, vernetzte Datenräume und klare politische Rahmenbedingungen. Das ist nicht neu, aber die Tatsache, dass Forscher, Unternehmer, Fachkräfte und Politik diese Engpässe in einem Raum präzise benennen konnten, und dabei realistisch blieben über die Lösungswege, ist der konkrete Mehrwert dieses Treffens.
Ein Ort mit Symbolkraft
Warum Wilhelmshaven? Der Ort ist kein Zufall. Die Jade Hochschule, der JadeWeserPort, die Offshore-Wind-Anlagen vor der Küste und jetzt ein Versuchskraftwerk für Wasserstoff- Sauerstoff-Verbrennung. Wilhelmshaven ist ein Ort, an dem die Wasserstoffwirtschaft nicht nur theoretisch diskutiert wird, sondern praktisch entsteht. Wer sich dort trifft, kann sehen, anfassen und verstehen, was möglich ist.
Die Veranstaltung wurde unterstützt durch die Metropolregion Nordwest und den Oldenburger Energiecluster OLEC e.V.